Bericht über das Leben im Schollheim: Werner Ortinger

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Wer­ner Ortinger
Schol­lheim­be­woh­ner von 1982 bis 1988

Aus der „Pro­vinz“ kom­mend, tat sich für mich in Mün­chen, der gro­ßen Stadt, eine völ­lig neue, eine gro­ße, eine wei­te Welt auf: Thea­ter, Kon­zer­te, Kino, der Eng­li­sche Gar­ten – alles in die­ser Dimen­si­on war neu für mich. Dass ich noch dazu mit vie­len ande­ren Natio­na­li­tä­ten in einem Wohn­heim woh­nen durf­te, war unglaub­lich berei­chernd, und außer im Stu­di­um, wo ich für mei­nen zukünf­ti­gen Beruf als Maschinenbau‑, Ener­gie-und Kraft­werks­tech­nik Inge­nieur aus­ge­bil­det wur­de, habe ich im Schol­lheim mei­ne  „Lebens“- Aus­bil­dung gemacht. Dar­über lie­ße sich viel schrei­ben; kurz zusam­men gefasst möch­te ich fol­gen­des betonen:

Ich habe gelernt, was Frei­heit heißt, und was es bedeu­tet, frei zu sein.

Ich habe gelernt, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, zual­ler­erst im Schol­lheim durch die Heim­selbst­ver­wal­tung. Ver­ant­wor­tung im demo­kra­ti­schen Sys­tem, in demo­kra­ti­schen Struk­tu­ren. Als Mit­glied im Auf­nah­me­aus­schuss, als Tutor, in den Flur­ver­tre­ter­ver­samm­lun­gen und in den Vollversammlungen.

Ich habe gelernt, was Freun­de bedeu­ten. Ich habe Freun­de fürs Leben ken­nen gelernt.

Ich habe in Koch­töp­fe geschaut. Das ist der Vor­teil von Gemein­schafts­kü­chen. Wenn ich abends in die Küche kam, hat­te ein süd­ko­rea­ni­sches Paar, schon als Stu­dent ver­hei­ra­tet, immer die leckers­ten asia­ti­schen Gerich­te in Vor­be­rei­tung. Sie hat­ten auch einen Reis­ko­cher dabei – ein Uten­sil, dass mir völ­lig fremd und neu war. Reis rein, Was­ser dazu, ein­schal­ten, eine Vier­tel Stun­de kochen las­sen, fer­tig ist der Reis, ohne irgend­wel­ches Zutun.

Ich habe mich selbst neu ken­nen­ge­lernt, habe Sei­ten ent­deckt, die ich ganz und gar nicht von mir kann­te. Als Tuto­ren durf­ten wir sowohl Wochen­end­aus­flü­ge in die Ber­ge, zum Bei­spiel ins Tann­hei­mer Tal zum Ski­fah­ren, und auch Tages­aus­flü­ge orga­ni­sie­ren. In sehr guter Erin­ne­rung sind mir zwei Aus­flü­ge: zum einen nach Berch­tes­ga­den, und zum ande­ren zu den Schlös­sern Lin­der­hof und Neuschwanstein.

Ins­ge­samt war die Zeit von 1982 bis 1988 für mich eine bewe­gen­de und beweg­te eine Zeit mit vie­len High­lights und eine Zeit, in der ich unbe­schwert war. Mein Dank gebührt mei­nem unmit­tel­ba­ren und mit­tel­ba­ren Umfeld, all denen, die bei­getra­gen haben, dass ich das Schol­lheim in so guter Erin­ne­rung habe.

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