Wohnheimgeschichte

Seit seinem Gründungsjahr 1956 hat das Studentenwohnheim Geschwister Scholl e.V. eine reichhaltige Geschichte hinter sich. Nachfolgend können Sie den Verlauf zum Bau der Häuser und der Veränderungen rund um Gebäude & Organisation lesen.

Bau von Haus 1

Bereits im Gründungsjahr des Vereins 1956 begann die Sammlung von Spenden. Die prominenten Namen von Schirmherrn und Vereinsgründern, Bayerns Ministerpräsident Dr. Wilhelm Hoegner, dem Universitätsrektor Prof. Marchionini, Justizminister Dr. Fritz Koch und Dr. Hans-Jochen Vogel waren dabei hilfreich und erfolgreich.  Bereits nach zwei Jahren waren die nötigen Eigenmittel beisammen und ein Ruinengrundstück im Besitz der Stadt und in der Nähe der Münchener Hochschulen gefunden. Die Stadt verkaufte es dem Verein und gewährte ihm zugleich einen Förderzuschuss in Höhe des Kaufpreises. Hinzu kamen Fördermittel von Bund und Land, ein Kredit der Stadtsparkasse sowie ein verlorener Baukostenzuschuss von der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Akademiker. Der Verein verpflichtete sich im Gegenzug der Arbeitsgemeinschaft zum üblichen Mietpreis ein Büro im Erdgeschoss von ca. 20 qm zu vermieten und ein Nutzungsrecht für die Gemeinschaftsräume einzuräumen. Die Rechte aus diesem Vertrag wurden auf den Sozialdemokratischen Hochschulbund (SHB) übertragen, dessen Büro bis 1973 im Heim war.

Nach gründlicher Planung (Architekten Werner und Grete Wirsing) konnte im März 1959 der Bau begonnen und das Haus 1 mit 144 Wohnplätzen – davon 64 in Doppelzimmern – noch zum Jahresende fertig gestellt werden (Gesamtkosten: 1,2 Mio. DM). Werner Wirsing, einer der bedeutendsten Architekten der deutsche Nachkriegsmoderne, war bis zu seinem Lebensende dem Studentenwohnheim und seinem Trägerverein als Mitglied verbunden.

Bau von Haus 2

Nach der Fertigstellung von Haus 1 wurde weitergesammelt und die Spendenwerbung fortgesetzt, um ein zweites Haus bauen zu können. Wiederum gelang es die nötigen Eigenmittel aufzubringen, um die günstigen Bundes- und Landesmittel zu beantragen und einen Bankkredit aufnehmen zu können. Und noch einmal half die Stadt, indem sie dem Verein das angrenzende Ruinengrundstück verkaufte und wieder in Höhe des Kaufpreises einen Förderzuschuss gewährte. Werner und Grete Wirsing konnten weiterbauen. Mitte 1963 waren alle Vorbereitungen abgeschlossen und die Baugenehmigung erteilt, sodass die Bauarbeiten beginnen konnten. Im April 1964 war Haus 2 mit seinen 98 Einzelzimmern, dem Verbindungsgang und 21 Garagen bezugsfertig. Die Gesamtkosten für den Bau von Haus 2 beliefen sich auf 1,5 Mio. DM.

 

Zusammenarbeit zwischen Heimleitung und Studentischer Selbstverwaltung

Noch bevor die ersten Studierenden zum 1. Januar 1960 ins Haus 1 einzogen, hatte der Verein die Grundlagen für eine Beteiligung der Bewohner an der Ausgestaltung des Heimlebens und der Auswahl der Heimbewohner gelegt. In den Folgejahren konnte die studentische Mitwirkung bei Haushalt, Mieterhöhungen und Gestaltung der Hausordnung eingeführt werden.

Die Vereinsgründer setzten mit der Wahl der ersten Heimleiterin ein deutliches Zeichen: Sie beriefen, die damals noch wenig bekannte junge Historikerin  Dr. Helga Grebing (✝ 25. September 2017 in Berlin), die in den Folgejahren Standardwerde über den Nationalsozialismus und die Deutsche Arbeiterbewegung schrieb und dadurch zu einer der großen Vertreterinnen Ihres Faches wurde. Am 1.Mai 1962 folgte ihr der Mathematiker Josef Maisch, im Hauptberuf erster Rektor des seinerzeit neu errichteten München-Kollegs. Bis zu seinem Tode am 25. Sept. 1986 war er mehr als 24 Jahre lang als nebenberuflicher Heimleiter tätig. Er verkörperte eine ganze Ära des Schollheims, die sehr stark vom politischen und gesellschaftlichen Wandel mitgeprägt war, der unser Land seit 1968 ergriffen hatte.  Anschließend übernahm der pensionierte Pädagoge Karl Heinz Hammermüller die Heimleitung bis er im Alter von 77 am 4. Mai 2001 starb. Nachfolger war der Architekt Tilman Breitbach. Zu den Aufgaben des Heimleiters gehört es, den Kontakt zwischen Bewohner und Trägerverein sicherzustellen. Ab 1972 bildeten das Studentenheim Geschwister Scholl und das Marchionini-Heim eine Verwaltungseinheit mit einem gemeinsamen Heimleiter. Nachfolgerin von Tillman Breitbach wurde 2019, Frau Alexandra Filser, die nun die Aufgaben der Verwaltungs- und Heimleitung in Personalunion erledigt.

 

Die Zusammenarbeit mit der Marchionini-Stiftung

Alfred Marchionini hatte als erster Vereinsvorsitzender nicht nur großen Anteil an der Gründung des Geschwister Schollheims, er und seine Frau Mathilde stellten auch ihr gesamtes Vermögen für den Bau  des Marchionini-Studentenwohnheim in der Lerchenauer Straße 41 in München zur Verfügung. Es gehört jetzt der Alfred und Karl Marchionini Stiftung, errichtet von den kinderlosen Eheleuten Marchionini, die im gemeinsamen Testament ihr gesamtes Vermögen zum Bau eines Studentenwohnheims und zur Förderung bedürftiger Studenten stifteten.

Kurz vor ihrem Tode hatte Dr. Mathilde Marchionini verfügt, dass im Stiftungsnamen ihr Vorname durch den Vornamen (Karl) ihres Schwiegervaters ersetzt wird. Damit wollte sie den Mann ehren, von dem ihr Ehemann seine Ideale hatte. Karl Machionini war nach dem ersten Weltkrieg Redakteur bei der Leipziger Volkszeitung, Organ der Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD).

Das Marchionini-Studentenwohnheim wurde pünktlich zu den Olympischen Spielen 1972 fertig gestellt (Architekt Werner Wirsing) und beherbergte während der Spiele Schiedsrichter. Gleich nach den Spielen zogen die Studenten ein. Aufgrund eines vereinbarten Verwaltungsverbundes wird das Marchionini-Studentenwohnheim von Anfang an vom Schollheim aus mitverwaltet. Sie haben eine gemeinsame Geschichte und geistige Grundhaltung

Auch die Planung und der Bau des Marchionini-Heims waren, wie schon beim Haus 1 und 2, im Wesenlichen das Ergebnis des ehrenamtlichen Engagements von Robert Jenisch, dem Geschäftsführer des Vereins „Studentenwohnheim Geschwister Scholl“.

 

Reparaturen und Umbauten

Kein Haus der Welt bleibt neu und heil wie am ersten Tage der Fertigstellung. Von außen nagen Wind und Wetter, Hitze, Kälte, Regen, Eis und Schnee, von innen nutzen es die Bewohner und Besucher ständig ab. Größere Sanierungsprojekte waren die Sanierung der Flachdächer, die Erweiterung der Küchen- und Sanitärbereiche in den 80er Jahren und die Umwandlung der Heimleiter- und Tutorenwohnung zu einer neuen Wohngruppe mit acht Einzelzimmern.

 

Dachaufbau und -ausbau in beiden Häusern

Die größte Baumaßnahme erlebten (und durchlitten) die Heimbewohner jedoch vom Juni 1998 bis Juli 1999. Da wurden die Flachdächer durch Walmdächer ersetzt und zu drei Wohngruppen mit zusammen 22 Einzelzimmern ausgebaut. Im Gegenzug konnten endlich die noch vorhandenen 24 Doppelzimmer in Einzelzimmer umgewandelt werden. Die Gesamtzahl der Wohnplätze sank nur um zwei auf 232.

Alle Zimmer in Haus 1 und 2 erhielten neue Waschbecken und endlich auch warmes Wasser. Die Elektroinstallation musste völlig erneuert und verstärkt werden. Zugleich erhielten alle Zimmer Telefonleitungen, TV/Audio-Kabelanschlüsse und Anschlüsse an das neue EDV-Hausnetz (Schollnet), das über eine leistungsfähige Standleitung an das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften angeschlossen ist und jedem Heimbewohner. Dieses bietet einen kostenlosen Zugang zum Internet.

Fast alle Fenster beider Häuser wurden erneuert und die Fassaden frisch gestrichen. Die beiden veralteten Heizzentralen wurden durch moderne, elektronisch gesteuerte Anlagen ersetzt und durch je eine Solarkollektoranlage mit zusammen rund 100 Quadratmeter Kollektorfläche ergänzt.
Zur Zeit ist wieder eine grundlegende Erneuerung von Fernstern, eine moderne Wärmedämmung und die Verbesserung der Sicherheit und des Brandschutzes in Arbeit. Im Zuge der Errichtung von Haus 3 konnte eine begrünte Dachterrasse im Innenhof der drei Häuser geschaffen werden.

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